BLOG

25 Mrz 2019

Der Tag, an dem ich meine eigene Geschichte erkannte

/
Posted By
/
Comments0

Der Tag an dem Dir deine eigene Lebens Geschichte bewusst wird, du erkennst wo du herkamst und dich hat werden lassen, wer du bist, kann ein unglaublich schmerzhafter sein. Denn um weiter zu gehen, sich neu zu kreieren und zu heilen bedarf es der Wahrnehmung all dessen, was man so gern hinter sich lassen würde, doch wie ein Schatten immer und immer wieder loopt, bis man sich diesem eigenen Schatten stellt.

Heute, mit Siebenundvierzig Jahren auf dem Spaziergang durch den Wald und seit einigen Jahren mich fragend, was eigentlich „meine Geschichte“ zwischen all den anderen Lebensgeschichten denn ist, spürte ich deutlich, das ist sie! 

Ich sprach einfach laut vor mich meine eigene Startgeschichte daher, als mich das projezierte Bild aus der Kindheit wie ein Blitz traf, Tränen rannten meine Wange herunter, ich bekam kaum noch ein Wort heraus und erzählte sehr leise weiter, was mir als Junges Mädchen im Alter ab Fünf Jahren geschehen war. Ich erzählte mir weiter meine eigene Geschichte und spürte, dass ich sie nie selbst verstaden hatte oder das Mitgefühl von mir selbst erhalten hatte, das ich nun endlich spürte. 

Was war also passiert, wie ist Begann diese Lebensgeschichte?

Ich wuchs in einem Elternhaus auf, dass immer voll Streitigkeiten meiner Eltern war. Ich kann mich kaum an liebevolle, ausgeglichene Tage erinnern, nur an Vorschriften, Sreits und Türen knallen. Als Kind, als kleines Mädchen, zuckte ich bei jeder knallenden Tür und lautem Wort zusammen. Ich kann mich daran erinnern, dass ich oft in den Wald flüchtete, in den Schuppen, in den Schrank oder einfach in meinem Zimmer malte und meine Ohren dann auf Stumm schalteten, um diese Streitereien nicht hören zu müssen. 

Mit vier Jahren wurde ich das erste Mal an den Ohren operiert und mit Fünf gleich noch einmal. Danach folgten viele Jahre beim HNO der wöchentlichen Behandlungen, einfach weil ich mit mit Sechs Jahren weigerte, eine Dritte Operation zu erhalten.

Wieso wollten meine Ohren einfach nicht gesunden? Ganz einfach, weil mein Umfeld, mein zu Hause, mein sicherer Hafen kein sicherer Hafen für mich war, sondern ein Ort der Flucht und des Schmerzes, schon mit Fünf Jahren. Ich erinnere mich an sehr viele Jahre meiner Kindheit nicht, gar nicht, sondern nur, dass ich immer und immer wider mich in meine eigene Traumwelt der Malerei in meinem Zimmer zurückzog, wohl, um dem akustischen Lärm der mir emotional weh tat zu entfliehen. 

Zu Hause herrschte kein Frieden, sondern Krieg. Nur nicht per Hand, sondern Emotional. Die Kälte die dort existierte, hielt ich für Normal, denn ich kannte ja nichts andere. Es war normal, dass ich mich ständig vor meinem Vater versteckte, der nur schimpfend Vorschrieb wie ich zu parieren hätte oder im Haus die Türen knallte. Als ich es später als Teenager auch tat, wurde ich auch dafür ausgeschimpft.

Ich kannte weder Zuspruch, Support, Gespräche oder Trösten. Ich kannte nur Zurechtweisungen, Disziplinar Strafmasnahmen, tagelanges Schweigen als weitere Strafe, Verbote und Hausarrest. Meine Kindheit und Teenagerzeit war für mich ein dunkles Kapitel, doch das erkannte ich erst pö a pö als ich mich abzunabeln Begann und viele Verletzungen bereits gesetzt waren. Mein Junges Ich war schwer Beschädigt, hatte kein Selbstwert noch je Liebe oder Nähe erfahren und lernte nicht, was eine gesunde zwischenmenschliche Beziehung, Kommunikation oder nährendes emotionales zu Hause überhaupt bedeuten.

Es gibt körperliche Misshandlungen und Seelische, erst Fünfundzwanzig Jahre später erkannte ich erstmals in einem Buch, dass ich in meiner gesamten Kindheit und Jugend emotional Misshandelt und emotional vernachlässigt worden war, und Zeit meines Lebens keine vernünftige Beziehung oder innere Heilung erfahren hatte. Die Nachfolgetraumen liessen nicht zu, dass ich echte Nähe aushielt oder wahre Gefühle von mich Selbst erkennen und Fühlen leben konnte. Der Schmerz, den ich über mehr als Zwei Jahrzehnte bereits abzutragen und zu heilen suchte, war zwar Schicht um Schicht geringer geworden, aber genauso heftig wenn er wieder kehrte.

Meine Odyssay des Nichtfühlen Könnens von mir selbst, hatte zum ergebnis einer sehr extremen Polung: Entweder war ich sehr sehr lebendig, regelrecht Lebenshungrig um all die vermissten Gefühle, die ich nicht kannte im Leben nachzuholen und auch Lieben, Spielen, Kommunizieren zu können, oder das abbsolute verstecken, klein machen, weglaufen, abstossen all dessen, was mir zu Nah rückte. Ja, Nähe und Liebe, das waren die waren Gegener. Das, was ich einfach nicht kannte, nicht drauf hatte und in jeder noch so kleinen echten Begenung massiv schmerzte. 

Etwas nicht zu kennen ist das Eine, es aber später im Leben erstmals zu erleben und mit all den Gefühlen auch klarkommen zu können, das Andere. Ich konnte es nicht. Und unbewusst rannte ich immer wieder vor dem weg, was ich eigentlich in Wahrheit suchte: echte Nähe, Liebe, gesunde Verbindung und Kommunikation. Eben einfach Menschlichkeit, egal ob nun in einer Beziehung oder in Begegnungen.

Meine innere Angst vor Nähe, etwas, was zu Hause einst nur Schmerz bedeutetete, Streiterei, übergriffiges Verhalten und abschneiden des eigenen Entfaltungsraumes durch die Eltern, hatte sich wie ein Virus in mein System gefressen und unbemerkt den tiefsten aller Glaubenssätze kreier: Nähe bedeutet Gefahr! Gefahr, überhaupt da sein zu dürfen, Gefahr, gestutzt und mental vernichtet zu werden, Gefahr, eagl was man tut oder wie man ist, nicht willkommen, akzeptiert zu sein. 

So musste ich gehen, immer und immer wieder. Kilometerweit, Länder übergreifend immer wieder sehr lange verreisen, Jobs annehmen, in denen ich nur meine Oberfläche, nicht aber meine verletzliche Tiefe zeigen brauchte. 

Ein Teufelskreis…

Denn die emotionale Heilung konnte nur passieren, wenn ich mich noch einmal umdrehe, noch einmal all den Schmerz in all seiner Tiefe und Ausdehnung erkennen, ansehen und würdigen würde und dennoch, wenigstens für mich eines Tages Frieden finden würde.

Eine Erkenntnis, die in der tiefsten Blackbox meiner Selbst verschlossen lag und bis heute nicht erkannt war. 

Und meine Lebensgeschichte, eine Geschichte eines Opfers liebevoll anzunehmen, statt weghaben zu wollen und all die Blinden Flecken im Leben auch, die durch nachfolge Traumatisierungen einfach nicht mehr tragbar für das junge, kindliche System waren ebenso anzunehmen fällt schwer. 

Wer hätte ich alles sein können, ohne diese Falsche Eichung in der Kindheit? Ich weiss es nicht, werde es nie erfahren und dies weiter zu denken, würde mich im Opferdenken  nur bestärken. Es gibt mir jedoch ein tiefes Verständnis für mich selbst, eine neue Milde für Verfehlngen, Spätzündungen und Wissen, wieso einiges in meinem Leben nicht vorhanden ist, trotz inniger Wünsche und Versuche. Es ging einfach nicht, denn mein inneres Hin und Her, Nähe suchen und gleichzeitig massives Abstossen, liessen entweder mich oder den Partner rennen und somit nicht in die gewünschte Innigkeit von Zwischenmenschlicher Nähe und Vertrautheit treten.

Es ist noch immer so, dass ich echte Nähe, Vertrautheit oder gar Sicherheit nie in irgendeiner Beziehung erlebt habe, und Liebe wohl immer und immer wieder mit Abhängigkeit verwechselte. Die innere Leere die da klafft, war ungerirdischer Magnet für andere Menschen, die ebenso mit dieser Leere herumrennen und gute Miene zum Leben machen, doch innerlich Leiden. 

Das Leid, das man umgehen will, wird stärker und stärker, bis es einen einholt und dir seine eigene Geschichte noch einmal präsentiert. Dann werde ruhig, bleibe stehen und höre dir selbst zu. Lass alles zu was dann auftaucht und erlaube, milde und liebevoll mit dir und der neuen Erkenntnis über Dich und dein bisheriges Leben zu sein.

Und so bin ich mir sicher, das es genau dadurch endlich Frieden und Heilung im Herzen finden kann. Ja ich habe Angst vor Nähe! Ja ich habe Angst vor grossen Gefühlen der Liebe, denn ich weiss nicht recht wie man diese in sich auffängt und bewältigt. Denn ich kenne viele Misshandlungen, aber nur wenig liebevolles. Es ist das Nahe, das Liebevolle, das mich zusammenzucken lässt, nicht das brutale, beleidigende, schroffe, kalte Menschliche. Und das ist Traurig. Sehr traurig. Es zeigt mir, wie weit weg ich doch noch vom eigenen inneren Zustand ausgeglichener Heilung bin. Aber es ist wie es ist und ich geh weiter Schritt für Schritt.

Und eines Tages werde auch ich blühen, kein Zucken bei netten Worten spüren und Nein sagen zu all dem, was mich immer schon verletzte und leer werden liess! Als Mensch, sind wir alle in einem Punkt gleich: Niemand möchte Leiden. Und so wünsche ich mir und allen da draussen ein würdiges, selbstbewusstes, liebevolles Leben.

Ich glaube fest daran, dass dies für mich und jeden möglich ist!

Deine Annakee

Leave a Reply