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21 Jan 2016

MUT WIRD IMMER BELOHNT! WIE MAN DAS GLÜCK ZURÜCK EROBERT…

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magical annakee tranceharp

 

Heute möchte ich dir eine Geschichte über die Fallen und Krönung von Strassenmusik erzählen und was das mit Mut, Glück, Kämpfen und persönlichen Siegen zu tun hat. 

Und dazu nehm ich dich jetzt einfach mit, in ein Stückchen meiner Welt…

Wer nicht fragt bleibt Dumm… so hiess es in der beliebten Kindersendung, mit der ich gross wurde und es ist tatsächlich etwas wahres daran, wer nicht fragt, bleibt in seinem Horizont Radius isoliert.

Ich erkenne immer besser, immer mehr, wie man das auflösen tief eingenisteter Schmerzen wirklich herbeiführen kann. Es ist das viele Fragen stellen. Sich, dem Leben, dem Partner, den eigenen immer wieder kehrenden falsch eingebrannten Emotionen unter die Haut, die eine Situation nur aus einer Perspektive – meiner! – in mich eingrub.

Doch ist sie wahr? Richtig? Noch hilfreich oder nötig sie länger herumzuschleppen, wie ein Stück totes Fleisch, dass nicht mehr fühlt, lebt, bebt oder aufatmen kann?

Ich fragte mich also seit längerem, ob und wann ich wieder “raus” auf die Strasse meine Strassenkunst betreiben wollen würde, oder ob ich mich weiter von der Befürchtung vor harter Konsequenz und Strafe abhalten lassen wolle.

Heute tat ich es, ging wieder auf die Strasse zum Buskin (Strassenmusik) und ich hatte, nach einem Dreiviertel Jahr unfreiwilliger Abstinenz, durch das grobe verweisen und aufschreiben der Ordnungsamt Menschen, einen Haufen innerer Kämpfe und wirklich Schiss in mir vor ihnen seit dem, es wieder zu tun.

Nicht dass ich ein “Schisser” bin, aber nach 2 mal schnappen werden einem die Instrumente und das Equipment samt Einnahmen einkassiert plus eine Geldbusse Strafe obendrauf. Bei einer ausgebildeten Musiker Kollegin aus Russland, die in klassischer Geige studiert und sonst gut besuchte Konzerte gibt, betrug dieses Strafgeld immerhin 2000 Euro. Eine Summe, bei der man durchaus keine Lust auf Risiko mehr hat, solche Spielverderber auch noch zu bezahlen obwohl man andere beschenkt und Grund genug, kein 3. mal geschnappt werden zu wollen, wo eben erwähnter Ablauf einsetzten würde…

Man stelle sich mal vor, die würden dass auch mit Autos, LKWs und anderen “lärmenden” Bauarbeiter Utensilien so machen, dass, wenn man 2 mal falsch parkte oder zu laut hämmerte, beim 3. mal nicht nur des Platzes für 1Jahr verwiesen werden würde, sondern auch das Equipment einkassiert würde Plus die Strafe nicht einer 2 oder 3 Stelligen Summe, nein… eine 4 Stellige! Wie schön ruhig das plötzlich überall wäre und leer!

Zurück zur eigentlichen Geschichte…

Da ich mein Instrument und Equipment natürlich gern behalten wollte, traute ich mich nun ein ganzes Dreiviertel Jahr nicht raus, obwohl ich es liebe, die Leute auch, denn sonst hätte ich davor nicht sorglos ganze 2 Jahre NUR davon leben können, und dass, besser als mit meinem studierten Job! Mehr sag ich dazu erst einmal nicht. Doch was macht man mit dem Equipment zu Hause, wo einen keiner hört, wo niemand berührt werden kann durch die entspannenden Tranceharfe Töne und Mantra Gesänge, aber vor allem, wo ich nicht mehr spüren und lebendig sein darf, was ich liebe und andere ebenso berührt?

Manchmal hat man Glück und die Not treibt einen zu wirklich guten Dingen, die man sonst bei gesundem Menschenverstand lassen würde…

Und meine Not war innerlich, etwas verloren zu haben, was man so sehr liebt, geht auf Dauer nicht ohne Folgen. Man verliert sich und das Herz, oder man riskiert eben unangenehme Konsequenzen.

Lieblingsplatz in Berlin: am Dom vor dem Lustgarten

Lieblingsplatz in Berlin: am Dom vor dem Lustgarten

Nun, heute fasste ich mir trotzdem endlich ein Herz und ging wieder raus. Du kannst dir vorstellen wie ich hinging und dann auch da hockte. Total unentspannt! Das liebe Freunde, ist das pure GIFT für jeden darstellenden Künstler… Denn was verbreitet er? Genau! Seine Energie, Leidenschaft, Emotion, Liebe, Herz einfach alles was er hat, denn sonst kann man es vergessen. Ist sonst, wie vom Blatt abgelesen, langweilig, setzten, 5!

Zwei einhalb Stunden quälte ich mich und mein Publikum so mit dieser ängstlichen “erwisch mich nicht!” Energie, die ich nicht wie zuvor abschütteln konnte, als ich noch ohne Angst dahockte. Nicht vor den Leuten, oder dass ich singe, nein, vor den “Blauen” den Ordnungsamt Wächtern und alles, was einen aufschreiben kann und von oben wie einen Kriminellen behandelt, wenn man was “illegales” tut.

Denn Strassenmusik in Berlin ist illegal! Ausnahmslos alles was man verstärkt! Und Bitteschön, welchen Gitarrenspieler, Harfenistin oder Piano Master kann man gegen Baustellen und Strassenlärm schon hören ohne Verstärkung? Gar nicht, ich habe es probiert… Zudem erreicht man so nur, dass alle superlauten Instrumente spielen (Pauke, Posaune, Trompete, Trommel, Akkordeon…na, gefallen die denn besser?) und die leisen, feinen Töne, die verstärkt werden müssen, weg bleiben, sind illegal, werden bestraft. Und meistens sind das Leute, die wirklich ihr Handwerk der Kunst verstehen.

Ich quäle mich und mein Publikum also ganze 2,5 Stunden und wen wundert´s, dass das fast ausbleibt, bevor ich innerlich endlich die letzten 2 Songs einläute und mir selbst sage: “Ok, reicht für heute, jetzt noch was für dich zum geniessen!” Und schliesse endlich wie gewohnt dabei meine Augen. Ruhe! Suche nicht mehr ängstlich nach den Blaumännern und sage mir auch endlich innerlich: “Ach fuck, dann sollen sie mich doch schnappen, ich will wenigstens das hier jetzt geniessen!”

Und da geschieht das Wunder, wie immer genau da, als ich wieder etwas wirklich lästiges loslassen schaffe und wieder ist es Angst, die das Gute, die Liebe nicht durchliess. Denn jetzt fliesst sie, so sehr, dass ich bebe und am ganzen Körper zittere. Nicht vor Aufgeregtheit, schon auch, aber vor allem, vor soviel Energie und echtem Gefühl zur Musik! Mein Herz bricht auf, der Damm ist frei! Ahhh! Wei lange hat das gedauert! Mein Gott, wie sehr habe ich das doch vermisst! Diese totale Lebendigkeit! Pures Glück floss durch meine Adern!

Die Menschen kommen, so wie ich es kannte, stellen sich hin, hören zu, setzten sich, reissen mir buchstäblich die CDs aus der Hand, Spenden wie verrückt! Ich muss kurz dass Lied unterbrechen, da 2 sich um die letze Cd fast in die Haare kriegen, bis sie merken, ich habe noch welche, lege nach und auch ihr Problem mit den grossen Scheinen, kann gelöst werden, da plötzlich alle meine Cd zu kaufen scheinen.

dom-shoot

Das ganze Spektakel berührt mich so tief, dass ich mein Herz wie im Sturm mich wieder erobern fühl! Ein Gefühl, dass ich ein Dreiviertel Jahr schmerzlich vermisst habe. Augen die mich aus fremden Gesichtern berühren, gerührt und erwartungsvoll ansehend was weiter kommt, sinken in mich. Ein Augenblick der Matrix vollkommener Hingabe und Liebe nur für mich und zu Ihnen zurück, erfüllt diesen kurzen ewigen Moment! Dankbarkeit steigt auf. Tief empfundene, fast zu Träne gerührte Dankbarkeit, doch die gleichzeitige Amüsiertheit, über die absurde und witzige Situation der Cd Schlacht lassen mich schön “hier” bleiben. Ich mach weiter…

Ich spiele noch die letzte Strophe und noch ein bischen länger, da einige sitzen und lauschen und ich nicht wie geplant aufhören kann, obwohl mir schon kräftig die Blase drückt nach 3 Stunden spielen und im Lotus sitzen!

Ich fade langsam die Stücke aus, die Leute gehen auch, als ich fertig bin ein gewohntes Bild. Als ich mich zur Wiese hinter mir umdreh, sehen mich Menschen mit diesem typischen Blick an: “Nein! Du willst doch jetzt nicht aufhören, jetzt, wo wir hier extra sitzen und dir zuhören!” Ich registriere es und bin glücklich… glücklich über die unsichtbare Krönung und einer echten Rose, die ich von Ihnen, den Menschen erhielt:

Monbijou Park Berlin

Monbijou Park Berlin

Glücklich, es getan zu haben,

Glücklich, mich wieder aus dem inneren Konflikt in die Liebe abgeholt zu haben, denn Ja – ich liebe es so sehr!

Glücklich, mich endlich wieder so tief und berührt fühlen zu können und auch andere so berührt zu haben,

Glücklich, bei solch einem schönen Tag an meinem Lieblings Arbeitsplatz gewesen sein zu können: draussen, unter freiem Himmel, in der Sonne, an einem historisch-schönem Platz in Berlin, dem Dom und Lustgarten,

Glücklich, dass der eine Blaumann, der tatsächlich aufkreuzte, munter weiter telefonierte und heute wohl einen guten Tag für illegale Busker übrig hatte,

Glücklich, nicht mit einem Taschengeld wie gedacht, sondern wieder – nahtlos wie vor einem Dreiviertel Jahr – einen guten Batzen Geld, als freiwillig gegebene Wertschätzung, nach Hause gegangen zu sein,

und Glücklich, dass die Menschen mir soviel Mut und Kraft zurück schenken, jeder einzelne der etwas gibt oder stehen bleibt, dass ich dankbar für ihre aufrichtige Anerkennung bin… denn, sie müssen ja nicht stehen bleiben!

All dass und viel mehr ist es, wieso ich diesen Job, von dem ich niemals gedacht hätte, dass ich das so lieben würde mag. Eben, weil es kein Job ist, sondern eine echte Passion! Wie oft ich noch auf die “Piste” gehen kann, weiss ich nicht, bis ich abermals geschnappt werde, ich bin nur froh, es heute getan zu haben und ich werde es wieder tun. Und für dich ist es vielleicht hilfreich zu wissen, wieso es wichtig ist, dass Menschen wie ihr, wie du, Künstler wie mich, uns auf der Strasse unterstützen mit eurem stehen bleiben, klatschen und Spenden… Denn ihr helft uns, direkt oder indirekt, einen Sinn zu sehen diese sinnlosen Behörden-Kämpfen und nachfolgend Inneren, wie anfänglich erwähnt auch zu schaffen und zu überwinden. Ohne eure grandiose Anerkennung und finanzielle Wertschätzung, wären viele Musiker nicht überlebensfähig. Danke!

PURE MEDITATION by Annakee Sky

P.S:

…falls du jetzt Lust bekamst, auch gern die CD haben zu wollen zum “Strassenpreis” (10€) statt über meine offizielle Bestellseite (15€), dann melde dich kurz bei mir.

 

Wenn du noch mehr zu dem Thema Strassenmusik & Kunst wissen willst, wie es hinter den Kulissen wirklich im Moment hier in Berlin abläuft, liess noch die folgende Erweiterung:

Ich schreibe euch dass einfach mal, weil ihr wissen solltet, wie man mit Strassenkünstlern umgeht, auch die, die keine Musik machen, nur Kostüme tragen oder malen, haben grosse Ordnungsamt Probleme -sie gelten oft als “Disney Land Gesindel, dass die Plätze verschandelt”. Weil in einer Weltcity wie Berlin noch immer nicht möglich ist legal Strassenmusik zu machen – verstärkt. Und selbst unverstärkt, an den meisten Plätzen wo es Touristisch attraktiv für beide wäre, ist es nicht erlaubt, wie es gern propagiert wird.

Somit macht sich jeder Strassenmusiker strafbar, dass auch geldlich geahndet wird und behandelt wie Kriminelle. Das ist traurig, denn Strassenkunst – direkter Spiegel der Gesellschaft und aktuellen Zeit – gab es schon, bevor es all die offiziellen anderen Einrichtungen, wie Theater, Oper, Kino usw gab. Und dennoch schwingen sich Beamte auf und sagen, wir “gefährden kulturelles Welterbe” mit unserem Tun (sie meinen die historischen Bauten) geben einzelnen Nörglern über den “Krach” mehr Gehör, als die 1000 Anderen, die eine kreative Atmosphäre bei Ihrem Berlin Besuch beim flanieren durch die Altstadt mögen. Doch die werden nicht gefragt, wissen´s auch nicht und natürlich auch nicht, dass die Künstler sich in grosse Risiken stürzen, nur um ein wenig Musik darzubieten, zur beidseitigen Freude!

Wenn man das ganze Legal machen möchte, ist es so gut wie unmöglich alle Unterlagen, die man bräuchte einzuholen. Der Reisegewerbeschein ist da ja das einfachste und den erhält man auch schnell (4-6 Wochen). Schwieriger ist der Lärmbelästigungs Schein, bis zu welcher Wattzahl man darbieten darf, das gilt dann als Ausnahme Regelung und wird mit 1000 Fragen äusserst widerwillig erteilt, sogar bei einer Harfe! Und der letzte Schein ist schier unmöglich zu bekommen, denn er beinhaltet die Regelung, Dinge auf die Erde abstellen zu dürfen. Was man aber nicht darf, da es “Öffentlicher Raum, Gehweg etc. ist” und somit für einen Künstler passé. Diesen Schein besitzen die “Pitbulls” unter den Beamten und werden scharf bewacht. Dass heist, spätestens diesen Schein erhälst du nicht.

Falls du dich dann fragst ob das denn Sinn mache, einen Reisegewerbeschein zu bekommen und schliesslich unter grosser Ausnahmeregelung auch einen Verstärker nutzten zu können, aber dann eine Ablehnung für dein Equipment und dich zu erhalten, da du dich und dein Instrument etc. nicht abstellen darfst! Macht das Sinn? Nein, das macht so gar keinen Sinn mehr…

Bereit zum abheben?

Bereit zum abheben?

Ein Schelm wer so wie ich in meinem spontan auftauchenden, spöttischen Gedanken, dachte: “Soll ich dann levitieren? oder wie dachten sie, soll ich dann spielen, ohne mich und alles andere abzustellen?” (sagte ich ihm tatsächlich! platzte so raus, als ich`s im Winter zum 1. mal erfuhr, der lief rot an vor Wut…) Ich meine, wenn man Harfe spielt und singt, kommt man himmlischen Gefilden zwar schon recht nah, aber so nah nun auch wieder nicht, dass ich wie Sindbad auf meiner Isomatte fliegen könnte und dabei Musik mache…

Ach ja, ich vergass noch den letzten Streich dieser genialen, sich uneinigen Geister im Amt, diese vielen Scheine, 3 gesamt, die man bräuchte, sind natürlich nur für eine Stunde in der Woche gemeint, an einem “polizeilich vermessenem!” Platz, der 3 mal darf man raten, vom letzten im Bunde, dem Grundflächenamt Pittbull Beamten abgesegnet werden muss. Alle 3 Scheine zusammen kosten ca. 300 Euro und bis man alles hat ca. 3 Monate!

Noch Fragen wieso man dass gleich vergessen kann zu beantragen? Weder Wetter noch irgend eine andere lebendige Lebensrealität, lassen solch einen Blödsinn zu. Also bleibt einem als Strassenkünstler nur eins: Alles illegal zu machen und zu hoffen, dass es gut geht! So lange wie es eben geht. Ich kenne eine menge Künstler, die wandern deswegen aus, da sie hier nicht leben können, wegen diesem Behördenwahn. Sie arbeiten, wer hätte das gedacht, gern in Griechenland!

So ihr lieben, dass war wohl einer der längsten Beiträge bis hierher und herzlichen Glückwunsch, falls du tatsächlich geschafft hast bis hierher zu lesen! Allein dafür ein dickes Merci für deine Aufmerksamkeit und sicher auch emotionalen Support, den du mir damit still und heimlich schenktest!

Deine Annakee!

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